Die Stimme im Kopf: Abschalten nach der Arbeit

Veröffentlicht von Martina Miciecki am

Wenn Sie von Ihrer Arbeit nach Hause kommen oder im Homeoffice den Computer abschalten, können Sie dann direkt auf Feierabend umschalten? Oder kreisen Ihre Gedanken noch Stunden um eine unfreundliche E-Mail vom Kunden, Ärger mit der Chefin oder Stress mit den KollegInnen? Geht es so weit, dass Sie abends nicht einschlafen können oder sogar nachts aufwachen? Vielen Menschen geht es (leider) so. Wie Sie die Aufregungen des Tages vergessen, Ihre Stimme im Kopf zähmen und entspannt Ihren Feierabend geniessen können, lesen Sie hier.
Stimme im Kopf: Abschalten von der Arbeit

Stimme im Kopf – muss ich zum Arzt?

Innere Stimmen hat jeder Mensch. Solange die Stimmen nicht aggressiv sind oder Ihnen befehlen böse Dinge zu tun, müssen Sie sich keine Sorgen machen und keinen Arzt aufsuchen. Die innere Stimme oder auch innerer Kritiker genannt hat jeder Mensch, hört aber nicht jeder Mensch gleich laut. Besonders unter Stress startet ein regelrechtes Geplapper im Kopf.

Beispiel: Sie erinnern sich sicherlich noch an Ihre Schulzeit und den Tag vor dem Tag, an dem Sie z.B. einen Vortrag halten sollten. Sie sind nervös, haben Angst sich zu versprechen oder dass die Technik versagt, dass Ihre SchulkollegInnen Sie auslachen oder der Lehrer enttäuscht den Kopf schüttelt.

Sie malen sich in Gedanken die schlimmsten Szenarien aus und machen sich selbst pausenlos klein, indem Sie sich mit Sätzen, wie „das schaffe ich nie“ oder „das kann ich nicht“ selbst sabotieren. Was passiert? Sie machen die Nacht vorher kaum ein Auge zu, wachen morgens wie gerädert auf und sind unkonzentriert. Wenn Ihnen dann tatsächlich ein Aussetzer passiert, pushen Sie sich nochmals, indem Sie sagen „war ja klar“ oder „wusste ich es doch schon vorher“. Hat es Ihnen weitergeholfen? Sicher nicht!

Woher kommt die innere Stimme?

Die innere(n) Stimme(n) entwickeln sich ab der frühen Kindheit. Kinder schauen sich Ihrer Umgebung ab, wie sich die Älteren oder Grösseren in ihrer Umwelt zurecht finden und bewegen. Die Kinder kreieren sich dann eigene Strategien, wie sie mit der Welt und Ihren Mitmenschen umgehen und ihr Leben bewältigen wollen. Ihr soziales Umfeld mit Geschwistern (oder ohne), mit ihren Bezugspersonen und Orten, an denen sie mit anderen Menschen zusammentreffen, erzeugt Emotionen und prägen das Verhalten und die (Über-)lebensstrategie der Kinder.

Denken Sie nur an die Sprichwörter, die Sie von Ihren Eltern oder Grosseltern gehört haben und heute vielleicht sogar selbst verwenden, z.B. „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben“ oder „Ohne Fleiss kein Preis“ oder „Solange Du Deine Füsse unter meinem Tisch hast,…“.

Wenn Sie mehr zum Thema Individualpsychologie lesen wollen, können Sie dies in meinem Blog.

Die innere Stimme verrät uns, wie wir über uns denken.

Wie bringe ich die innere Stimme zum Verstummen?

Gar nicht! Es ist wichtig, dass wir Selbstgespräche führen. Wir müssen aber lernen, dass wir unseren Stimmen aufmerksam zuhören und positiv denken. In der Psycholinguistik werden daher zwei Sprech-Denk-Typen unterschieden: die Pragmatiker und die Zweifler.

Die Pragmatiker sprechen gut und viel mit sich selbst und können eine Problemlösung zielstrebig angehen. Die Zweifler hingegen merken erst später als die Pragmatiker, dass überhaupt ein Problem vorliegt. Sie sind nicht so schnell und nutzen gegenüber sich selbst auch häufiger Äußerungen mit demotivierendem Inhalt.

Quelle: Quarks

Abschalten nach der Arbeit

Wenn Sie nun verstanden haben, dass innere Stimmen gut und wichtig sind, geht es nun darum zu lernen, wie Sie mit Ihrer inneren Stimme umgehen, zum oben genannten Pragmatiker oder Pragmatikerin werden und Ihre innere Stimme konstruktiv nutzen. Zudem gebe ich Ihnen Tipps, wie Sie den Arbeitstag bewusst hinter sich lassen.

  1. Distanz schaffen – 3. Person:
    Wenn Sie eine Situation haben, die Stress und Angst in Ihnen auslöst, probieren Sie sich gedanklich zu distanzieren. Gehen Sie aus der Situation raus und versuchen Sie als unbeteiligter Beobachter die Situation zu betrachten. Sprechen Sie positiv mit sich in der dritten Person. Also anstelle von „Ich kann das nicht“, sage ich „Martina, Du kannst das und Du wirst das hervorragend meistern“. Und glauben Sie daran. Mit Lippenbekenntnissen können Sie sich selbst nicht motivieren.

  2. Distanz schaffen – die Fliege: Wenn Ihr Gedankenkarussell so richtig in Fahrt ist und Sie das Gefühl haben, den Überblick zu verlieren, probieren Sie sich räumlich zu distanzieren. Stellen Sie sich vor, Sie sind eine Fliege an der Wand und betrachten die Situation. Versuchen Sie aus der Distanz zu verstehen, was in dem Menschen da unten (=in Ihnen) gerade vorgeht. Der Vorteil dieser Übung ist, dass die Emotionen zurückgehen und die Tatsachen in den Vordergrund rücken.

  3. der beste Freund: wenn Sie in einem Gedanken feststecken, überlegen Sie sich, was Sie Ihrem besten Freund oder bester Freundin raten würden, wenn er oder sie Sie um Rat fragen würde zu genau der Situation.

  4. Foto: wenn Sie einen schlechten Tag hatten, nehmen Sie sich auf dem Heimweg ein paar Minuten Zeit und betrachten Sie das Foto von einem Lieblingsmenschen von Ihnen.

  5. Hobby und Freunde: nehmen Sie sich Zeit für sich, aber auch für andere. Lenken Sie sich mit einem Hobby ab oder machen Sie mit Freunden ab, damit Sie auf andere Gedanken kommen. In dem Fall keine ArbeitskollegInnen, damit sich Ihre Gespräche nicht wieder um die Arbeit drehen.

  6. Rituale schaffen am Arbeitsplatz: suchen Sie sich ein Ritual aus, das Ihren Arbeitstag vom Feierabend abgrenzt. Fahren Sie Ihren Computer runter, schalten Sie Ihr (Geschäfts-)Handy ab, schieben Sie den Bürostuhl ran, lüften Sie durch und schliessen Sie die Tür.

  7. Rituale schaffen auf dem Heimweg: steigen Sie eine Station früher aus dem Bus aus und laufen Sie, joggen Sie den ganzen Weg nach Hause, stoppen Sie beim Café oder Bar um die Ecke und trinken Sie etwas etc. So signalisieren Sie Ihrem Kopf, jetzt ist fertig mit Arbeit!

  8. Rituale schaffen zu Hause: packen Sie Ihre Aktentasche oder Arbeitsmappe in den Kofferraum und schliessen Sie diesen mit den Worten „Jetzt ist Feierabend“. Oder gehen Sie duschen, waschen Sie den Frust des Tages ab und schauen Sie zu, wie der Ballast des Tages im Abfluss verschwindet. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, bevor Sie zu Hause sind und setzen Sie sich auf eine Parkbank oder Spielplatz um die Ecke. Notieren Sie sich, was Sie vom Tag beschäftigt und wofür Sie heute trotzdem dankbar sind. Legen Sie Ihre Gedanken ab.

  9. Rituale schaffen vor dem Einschlafen: Meditation, Yoga, autogenes Training, Hörbuch, Roman lesen fallen in diese Kategorie. Oder aber auch 3 Fragen schriftlich beantworten: Was hat mich heute am meisten beschäftigt? Was wird mich morgen beschäftigen? Wie gehe ich das an? Danach das Notizheft weglegen und schlafen im Wissen, dass alles erledigt ist und der Rest bis am nächsten Tag Zeit hat. (Und sollten Sie nachts aufwachen, weil Ihnen doch noch etwas eingefallen ist, schreiben Sie es dazu und legen Sie sich wieder hin.)

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Die Autorin:
Martina Miciecki ist staatl. geprüfte Betriebswirtin, Betriebliche Mentorin FA und diplomierte Coach. Sie zeigt ambitionierten Nachwuchskadern und erfahrenen Führungspersönlichkeiten, wie sie motivierter und gelassener ihre Führungsrolle ausüben können. Sie lebt in Frauenfeld (Schweiz), liebt ihren Balkongarten mit Blumen und Gemüse und schwört auf Poweryoga für ihre geistige und körperliche Fitness.


Kategorien: GelassenheitMindset

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