Harmoniesucht in der Führung: Wenn Konfliktvermeidung zur Stolperfalle wird

Veröffentlicht von Martina Miciecki am

Harmonie im Team ist wichtig – doch wenn Du Konflikte vermeidest, um es allen recht zu machen, leidet Deine Klarheit und Entscheidungsfähigkeit. Erfahre, wie Du als Führungskraft mutig Klartext sprichst, ohne Deine Werte zu kompromittieren.

Eine Führungskraft sitzt am Besprechungstisch und hört aufmerksam zu

Warum der Wunsch nach Harmonie zur Belastung werden kann

„Ich möchte niemandem auf die Füsse treten.“ Das höre ich häufig in meinen Coachings. Gerade empathische, sozial kompetente Führungskräfte möchten ein gutes Miteinander im Team fördern. Doch was, wenn dieses Bedürfnis nach Harmonie dazu führt, dass Entscheidungen nicht getroffen, Konflikte nicht geklärt oder Erwartungen nicht ausgesprochen werden?

Harmoniesucht in der Führung ist keine ärztliche Diagnose. Es beschreibt aber ein Verhalten, das weit verbreitet ist: Konfliktvermeidung aus Angst, jemanden zu verunsichern oder die Beziehung zu gefährden („Nicht mehr gemocht werden“). In diesem Artikel erfährst Du, woran Du harmoniesüchtige Muster erkennst und wie Du Dich davon Schritt für Schritt lösen kannst.

Viele Führungskräfte sind mit der Haltung gross geworden: sei freundlich, sei rücksichtsvoll, die/der Klügere gibt nach und das heisst vermeide Streit. Diese Haltung kann im Team eine angenehme Atmosphäre schaffen. Aber sie kann auch dazu führen, dass Unangenehmes unausgesprochen bleibt.

Beispiel aus dem Coaching:
Eine Teamleiterin erzählte mir, dass sie eine Mitarbeiterin über Monate hinweg nicht auf wiederholte Verspätungen angesprochen hat. „Ich wollte keinen Stress machen. Die Mitarbeiterin ist dann genervt und das belastet die Teamstimmung.“ Doch das Ergebnis war nicht besser: das Team verlor das Vertrauen in ihre Konsequenz, die Stimmung kippte und die Produktivität litt darunter. Die anderen fühlten sich unfair behandelt, weil sie pünktlich kamen und für die Kollegin übernehmen mussten. Dieses Beispiel zeigt gut, wie der Wunsch nach Harmonie die Wirksamkeit in der Teamführung schwächt.

Was kurzfristig für Ruhe sorgt, kann langfristig zu Frust führen:

  • Unklare Erwartungen
  • Konflikte schwelen unter der Oberfläche
  • Leistungsträger:innen im Team fühlen sich ausgebremst
  • Entscheidungen werden vertagt oder gar nicht getroffen
  • Low Performer können sich ausruhen

Umso wichtiger ist es, als Führungskraft eine Balance zu finden – klar und empathisch zugleich. Genau das beschreibt der Begriff „harte Empathie“, der menschliche Nähe mit konsequenter Führung verbindet.

49 Formulierungen, die Sie als Führungskraft vermeiden sollten

Der Begriff „harte Empathie“ beschreibt gut, worum es geht: menschlich sein, aber nicht willkürlich handeln. Führung bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, auch für unangenehme Themen. Und eine einheitliche Linie vorgeben, an der sich Mitarbeitende orientieren können.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass empathische Führung Motivation und Vertrauen stärkt, aber klare Grenzen und Entscheidungen braucht, um wirksam zu sein. So belegen Aulinger und Schmid in einer empirischen Studie, dass empathisches Führungsverhalten das Betriebsklima verbessert und Mitarbeitende motiviert, gleichzeitig aber auch neue Anforderungen an die Autorität der Führungskraft stellt.

Mehr dazu findest Du in der Studie zu empathischem Führungsverhalten sowie im Artikel des Fraunhofer Instituts, das Empathie als eine von drei Superkräften moderner Führung beschreibt (Superkräfte für Führung 4.0). Auch die Universität Passau weist darauf hin, dass Empathie zwar hilfreich im Krisenmanagement ist, aber ohne klare Führung zu Fehlentscheidungen führen kann (Empathie bei Führungskräften).

Tipp:

  • Trenne Emotionen und Sache
  • Bereite Dich auf Gespräche gut vor
  • Bleib in der Ich-Form: Was beobachtest Du, was brauchst Du?

Hier kannst Du nachlesen, wie Du richtig Feedback gibst oder ein Kritikgespräch führst. Siehe dazu auch die Reflexionsübung Denken, Fühlen, Handeln in meinem Artikel Selbstmanagement.

Beispiel: Eine Kundin entschied sich bewusst, ein Projekt zu stoppen, obwohl das Team daran hing. Sie erklärte transparent die Gründe. Die Reaktion: Enttäuschung, aber auch Anerkennung für ihre Offenheit.

Was Du tun kannst:

  • Reflektiere, wo Du ausweichst, statt klar zu führen
  • Kläre Deine Werte: Was ist Dir wirklich wichtig?
  • Gib Orientierung, auch wenn es unbequem wird

Wie Du Deine Werte definierst und werteorientiert führst, liest Du in meinem Blogartikel Werteorientierte Führung.

Harmonie ist wichtig, aber nicht um jeden Preis. Als Führungskraft brauchst Du den Mut, auch schwierige Dinge anzusprechen. Nicht gegen die Menschen, sondern im Sinne der Sache. Wenn Dir das gelingt, wirst Du nicht nur klarer wahrgenommen, sondern auch dafür respektiert.

Wenn Du lernen willst, wie Du Deine Führungsrolle mit Klarheit, Empathie und Haltung ausfüllst, dann melde Dich zu meinem Coaching-Programm Leadership DNA an. Dort arbeiten wir an Deiner Selbstführung, Deiner Wirkung und Deinen Gesprächskompetenzen. Zur Leadership DNA

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Martina Miciecki Coaching.Mentoring

Die Autorin:
Hallo, ich bin Martina, diplomierte Coach und Betriebliche Mentorin FA. Ich zeige ambitionierten Nachwuchskadern und erfahrenen Führungspersönlichkeiten, wie sie souveräner, charismatischer und erfolgreicher ihre Führungsrolle ausüben können. Ich lebe in Frauenfeld (Schweiz), liebe meinen Balkongarten mit Blumen und Gemüse und schwöre auf Poweryoga für meine geistige und körperliche Fitness.


Kategorien: LeadershipMindsetTeam

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