Hören Sie auf sich mit anderen zu vergleichen

Veröffentlicht von Martina Miciecki am

Sind andere viel erfolgreicher, kreativer, intelligenter, mutiger, schlagfertiger, attraktiver, eloquenter oder humorvoller als Sie? Willkommen in der Vergleichs-Falle! Warum Sie immer verlieren werden, wenn Sie sich mit anderen vergleichen, und 3 Hacks, wie Sie aus dem Vergleich aussteigen können, erfahren Sie hier.

Vergleichen Sie sich gerne mit anderen?

Dann frage ich mich, ob Sie gerne unglücklich sind oder einen Hang zur Selbstgeisselung haben. Klingt provokativ? Sorry, aber genau das war meine Absicht.

Es ist nicht so, dass ich mich nie mit anderen verglichen habe und ich tue es auch heute noch ab und zu. Aber anders.

Warum vergleichen wir uns mit anderen?

Das Vergleichen geht schon in der Kindheit los. Wir sind unbeholfen und nehmen in der Umgebung wahr, wie andere das Leben (vermeintlich besser) bewältigen. Von diesen leiten wir ab, wie wir besser durchs Leben kommen können. Wir sehen also von Kindesbeinen an, dass der grössere Bruder oder die ältere Schwester besser sind als wir selbst, weil sie Sachen können, zu denen wir (noch) nicht in der Lage sind. Das demotiviert uns.

Sätze, wie z.B. „dafür bist Du noch zu klein“ oder „lass das mal Deinen grossen Bruder machen“ oder „wenn Du gross bist, kannst Du…“ unterstützen den psychologischen Prozess, dass wir uns klein und minderwertig fühlen und lange darauf hoffen, dass es eines Tages besser wird. Die Gefühle von Minderwertigkeit, mangelndem Selbstvertrauen oder sogar Schuldgefühle prägen sich bis ins Erwachsenenalter ein.

Psychologischer Kontext: Minderwertigkeit aus Sicht des Individualpsychologen Alfred Adler

Alfred Adler wurde 1940 in Wien geboren, war Arzt und in der Studiengruppe von Sigmund Freud. Im Laufe der Jahre entwickelte Alfred Adler jedoch eigene Ansichten der Psychologie, trennte sich von Sigmund Freud und dessen Ansichten und begründete seine eigene Schule der Individualpsychologie. Aus seiner Sicht sind Ungleichheiten resp. die Individualität des Menschen auf 3 Ursachen zurückzuführen:

  1. durch unterschiedliche Umwelteinflüsse
  2. durch unterschiedliche Erbanlagen
  3. durch die Annahme, dass der geistig-seelische Kern des Menschen bereits vor der Zeugung existierte und sich in einen physischen Leib inkarniert (Quelle: bruehlmeier.info)

Zwei Möglichkeiten die Minderwertigkeit auszugleichen

Aus Sicht von Alfred Adler gibt es zwei Möglichkeiten des Ausgleichs: Gemeinschaft (Gemeinschaftsgefühl) oder Kompensation

Gemeinschaftsgefühl: Der Mensch ist hingeordnet auf Gemeinschaft. Dies bedeutet, dass ein Mensch das Gefühl entwickelt, dass die eigene Minderwertigkeit am Besten dadurch ausgeglichen werden kann, wenn er oder sie mit anderen zusammenarbeitet und Lebensaufgaben somit gemeinschaftlich löst. Die Minderwertigkeit kann also dadurch ausgeglichen werden, dass Gemeinschaftsgefühl entwickelt wird.

Kompensation: Auf der anderen Seite ist es jedoch auch möglich, dass der Mensch (bereits als Kind) versucht, die erlebte Minderwertigkeit durch individuelles Höherstreben zu erreichen. Der Mensch versucht sich durch Macht oder Überlegenheit die Anerkennung oder Geltung zu verschaffen. 

Ziel Alfred Adlers und der Individualpsychologie ist es, das vertikale Streben nach Macht aufzulösen hin zum horizontalen Streben nach Gemeinschaft. Das ICH zugunsten des WIR aufgeben.

Ich habe meine Ausbildung zum Coach nach dem individualpsychologischen Ansatz gemacht und dieser ist auch in meine Abschlussarbeit eingeflossen. Ich möchte aber nicht weiter in die Tiefe gehen, ich wollte nur damit aufzeigen, dass das Vergleichen schon viele Psychologen in der Vergangenheit beschäftigt hat und es bis heute tut.   

Sollte ich Sie nun ein wenig auf die Individualpsychologie neugierig gemacht haben, können Sie sich hier weitere Informationen einholen: GPI ® Persönlichkeitstest, Schweizerische Gesellschaft für Individualpsychologie nach Alfred Adler oder Akademie für Individualpsychologie oder dieses (aus meiner Sicht sehr tolle) Buch lesen: Alfred Adler, Menschenkenntnis ISBN 978-3-86647-195-5

3 Hacks, aus dem Vergleich auszusteigen

HACK #1: Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

Sie bewundern Ihren Chef oder Ihre Chefin und möchten auch so sein? Überlegen Sie sich, was genau Sie bewundern. Ist es der Job, das Gehalt, das schöne Auto oder die Bilderbuchfamilie? Kennen Sie auch die möglichen Schattenseiten, wie z.B. Überstunden, Druck vom Verwaltungsrat, Scheidung oder gesundheitliche Überlastungssymptome?

Was ich damit meine, ist, dass Sie nicht nur die schönen Seiten betrachten sollten oder einen Ausschnitt Ihres Wunschbildes, sondern das gesamte Bild. Sie beneiden immer noch Ihren Chef oder Ihre Chefin und wollen auch die Position erreichen?

Fragen Sie, wie sie oder er dorthin gekommen ist, wie viele Jahre es gedauert hat, welche Entbehrungen hingenommen werden mussten und wo aus seiner oder ihrer Sicht die die Gefahren oder Hindernisse lauern.

Bewerten Sie dann erneut, ob Sie so sein möchten und entwickeln Sie einen Plan, wie Sie Ihre Ziele erreichen können. (In meinem Blogpost über gute Vorsätze ist das Erfolgsgeheimnis zur Erreichung in 6 Punkten aufgezählt. Hier geht es zum Post.)

HACK #2: Selbstvertrauen stärken

Glauben Sie an sich selbst! Und glauben Sie daran, dass Sie sehr viel erreichen können. Klingt einfach, ist es aber leider nicht. Wie bereits individualpsychologisch beschrieben, tragen wir ein gewisses Minderwertigkeitsgefühl seit Kindheit in uns. Je nachdem, wie unser Leben bisher verlaufen ist, welche Menschen uns begegnet sind, an uns geglaubt und gestärkt haben, haben wir heute ein mehr oder weniger grosses Selbstvertrauen.

Als ersten Schritt zur Stärkung Ihres Selbstvertrauens empfehle ich Ihnen nachfolgende Übung. Beantworten Sie die nachfolgenden Fragen schriftlich:

  1. Was finde ich gut an mir?
  2. Was kann ich besonders gut und werde dafür geschätzt?
  3. Was gefällt mir an meinem Leben derzeit am Besten?

Nehmen Sie sich Zeit und ergänzen Sie die Liste, wenn Ihnen etwas Neues auf- oder eingefallen ist. Sie können auch Ihre Familie oder besten Kollegen und Freunde fragen, was sie an Ihnen besonders schätzen und was Sie aus deren Sicht wirklich gut können.

HACK #3: Mutig sein

Durch Mut vermeidet man Gefahren besser als durch Angst. Dreikurs/Blumenthal

Trauen Sie sich etwas zu und probieren Sie Neues aus. Wagen Sie es, Ihre Stärken und Fähigkeiten (siehe Übung Hack #2) mutig einzusetzen. Sie werden überrascht sein, wie Sie dafür geschätzt und geachtet werden. Sie werden so in Ihrem Selbstvertrauen gestärkt und ermutigt, wiederum Neues zu wagen. Eine schöne Aufwärtsspirale.

Niemand ist perfekt und das ist gut so. Aber Sie tragen durch das Vertrauen auf Ihre Stärken und Fähigkeiten dazu bei, dass Sie nicht nur sich, sondern auch Menschen aus Ihrem Umfeld ermutigen.

Fazit

Vergleichen lohnt sich nicht, denn Sie werden (gedanklich) immer den Kürzeren ziehen. Besinnen Sie sich auf Ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten. Seien Sie mutig und trauen Sie sich auch aus Ihrer Komfortzone heraus. Ihr Risiko wird belohnt werden.

Wenn ich in die Vergleichs-Falle tappe, hole ich mich bewusst wieder heraus, indem ich oben genannte Hacks anwende. Danach fühle ich mich viel besser und schmiede neue Pläne, welches Ziel ich als nächstes erreichen möchte. Mein Mut hat sich bisher ausbezahlt, also können Sie es auch wagen.

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Die Autorin:
Martina Miciecki ist staatl. geprüfte Betriebswirtin, Betriebliche Mentorin FA und diplomierte Coach. Sie zeigt ambitionierten Nachwuchskadern und erfahrenen Führungspersönlichkeiten, wie sie motivierter und gelassener ihre Führungsrolle ausüben können. Sie lebt in Frauenfeld (Schweiz), liebt ihren Balkongarten mit Blumen und Gemüse und schwört auf Poweryoga für ihre geistige und körperliche Fitness.



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