Sich durchsetzen lernen: 5 Geheimnisse für mehr Durchsetzungskraft

Veröffentlicht von Martina Miciecki am

Traust Du Dich in Teamsitzungen kaum etwas zu sagen oder wirst Du bewusst übergangen? Kannst Du schlecht Nein sagen und bekommst daher die Aufgaben, die sonst keiner machen will? Werden Deine Ideen abgewunken oder vom Chef geklaut und dann noch als seine eigenen verkauft? Möchtest Du am liebsten auf den Tisch hauen und sagen, dass Du auch noch da bist und jetzt gemacht wird, was Du willst? Dann erfahre hier 5 Geheimnisse, wie Du Durchsetzungsvermögen lernen, trainieren und stärken kannst.


sich durchsetzen lernen

Kannst Du Dich gut durchsetzen?

Wenn Du eine der Fragen aus der Einleitung bereits bejaht hattest, dann steht es nicht so gut um Dein Durchsetzungsvermögen und Du solltest jetzt handeln.

Konntest Du aus dem Bauch heraus nicht bei allen Fragen mit Ja antworten oder bist Dir unsicher? Dann prüfe Dein Durchsetzungsvermögen noch mit nachfolgenden Fragen:

  1. Fällt es Dir leicht, Deine eigene Meinung vor anderen zu vertreten?
  2. Bringst Du Dich gerne aktiv in Meetings oder Teamsitzungen ein?
  3. Kannst Du andere von Deinen Ideen oder Vorschlägen überzeugen?
  4. Kannst Du Lob und Dank annehmen, ohne Deine eigenen Erfolge zu schmälern?
  5. Scheust Du nicht die Konfrontation, wenn Du im Recht bist oder für eine Sache brennst?
  6. Behältst Du in Auseinandersetzungen die Oberhand und kannst Deine Argumente sachlich und ruhig vorbringen?

Hast Du bei einer oder mehreren Fragen „Nein“ geantwortet? Dann hat Dir diese Selbsteinschätzung nun dabei geholfen, den ersten Schritt zu gehen. Die Selbsterkenntnis zeigt Dir auf, in welchen Situationen es Dir leichter oder schwerer fällt, Dich durchzusetzen.

Ist Durchsetzungskraft angeboren?

Nein, Du kommst nicht mit mehr oder weniger Durchsetzungskraft auf die Welt. Es sind viel mehr die Jahre danach, die Dich prägen.

  • Hast Du Geschwister und konntest streiten und Dich durchsetzen lernen?
  • Musstest Du für Deine Rechte als Kind oder Jugendliche/r kämpfen? (Keine körperliche Gewalt!)
  • Bist Du die oder der Älteste unter den Geschwistern und musstest mehr Verantwortung übernehmen?
  • Hatten Deine Eltern gesagt, Du sollst nicht vorlaut sein und Dich zurücknehmen?
  • Wurdest Du mutig erzogen, d.h. durftest Du Deine eigenen Erfahrungen machen, wurdest von Deinen Eltern ermutigt, neue Dinge auszuprobieren?
  • Oder hattest Du eher vorsichtige Eltern, die Dich davon abhielten, etwas Neues auszuprobieren, weil es zu gefährlich ist? Ich höre Sätze, wie z.B. „Klettere da nicht hoch, sonst fällst Du runter“. „Lass das mal Deinen grossen Bruder machen, dafür bist Du noch zu klein.“ Oder „Mädchen machen so etwas nicht. Das schickt sich nicht.“ Kennst Du auch solche Sätze aus Deiner Kindheit oder Jugendzeit?

Solche Prägungen setzen sich in der Kindheit fest und Du trägst sie ins Erwachsenenalter mit. Es entstehen dadurch unbewusste Ängste, Fehler zu machen oder ausgelacht zu werden, nicht in die Konfrontation zu gehen oder zurückgewiesen zu werden. Kurzum – es ist Kopfsache, ob Du Durchsetzungsvermögen lernen und stärken kannst.

Musst Du Dich unbedingt durchsetzen können?

In einer Führungsposition wird erwartet, dass Du Durchsetzungsstärke mitbringst. Es ist ein guter Mix aus mentaler Flexibilität und Kompromissbereitschaft gefragt, keinesfalls körperlicher Nachdruck Deiner Argumente. Du solltest als Führungspersönlichkeit:

  • Deine Ziele erreichen und Entschlossenheit zeigen.
  • Deine Mitarbeitenden mit guten Argumenten abholen, aber keine Entscheidungen aufzwingen, damit sie motiviert bleiben.
  • verhandlungsstark und ausdauernd sein, aber auch einlenken können.
  • in schwierigen Situationen souverän bleiben.

Und Du wirst unpopuläre Entscheidungen treffen müssen. Puh, klingt alles super anstrengend, oder? Ja, das Leben als Führungskraft ist nicht einfach, aber eine ausgewogene Mischung Deiner Kompetenzen macht Deinen Führungsalltag wesentlich einfacher.

Martina Miciecki Coaching.Mentoring

5 Geheimnisse sich besser durchzusetzen

Geheimnis 1: werde mutiger

Finde heraus, was Dich bis jetzt davon abgehalten hat, Dich im Meeting einzubringen, immer nachzugeben, nicht Nein zu sagen etc. Gehe dafür auch gerne in Deine Kindheit zurück und hole Dir Situationen in Erinnerung, bei denen Du heute noch ein flaues Gefühl im Magen bekommst oder Dich ärgerst, dass Du Dich nicht durchgesetzt hattest.

Und dann löse dieses Gefühl auf, indem Du im übertragenen Sinn z.B. auf den Baum kletterst, auf den Du nicht durftest. Du kannst Dir Sätze notieren, die Dich gedanklich blockieren, und Dir dafür Sätze des Erlaubens notieren. Weitere Tipps findest Du in meinem Blogartikel Mutig sein: warum Mut belohnt wird oder im Buch „Mut tut gut“ von Theo Schoenaker ISBN 978-3-932708-47-3. Und dann gehe bewusst in eine (kleine) Konfrontation – aber richtig, siehe Geheimnis 2.

Geheimnis 2: argumentieren clever

Du hast für Dich das Ziel oder die Idee definiert, welche Du im Meeting oder beim Chef einbringen willst. Nun ist es wichtig, dass Du Dich gut vorbereitest und Dir Argumente überlegst. Dafür schlüpfst Du auch in die Rolle der anderen Personen und überlegst Dir, was diese Personen als Gegenargumente einbringen und wie Du diese entkräften könntest.

Am Besten notierst Du Dir alles auf einem Blatt Papier und bringst die Argumente dann in eine sinnvolle Reihenfolge: das stärkste Argument zu Beginn, das schwächste in die Mitte, das zweitstärkste am Schluss. So hast Du noch ein Ass im Ärmel. Gewiefte Taktik-Füchse beginnen mit dem schwächeren Argument, nehmen die erwartete Reaktion des Gegenübers entgegen und kontern dann mit den stärkeren Argumenten. Das empfehle ich Dir aber nicht zum Start.

Bleib ruhig und sachlich. Formuliere Deine Sätze klar und präzise, verfangen Dich nicht in endlosen Schachtelsätzen. Vermeide möglichst Satzfüller, wie „äh, ähm“. Und formuliere Aussagen nicht als Fragen, d.h. die Stimme geht am Ende nach unten, nicht nach oben. Übe vor dem Spiegel oder nimm Dich mit dem Handy auf.

Geheimnis 3: achte auf Deine Körpersprache

Auch Deine Körpersprache kannst Du vor dem Spiegel üben und gekonnt einsetzen. Deine Bewegungen sollten langsam, elegant und fliessend sein. Setz Dich aufrecht hin, Kopf gerade, beide Beinen am Boden, die Hände sind auf dem Tisch sichtbar. Nicht buckeln oder Schultern verkrampfen! Unterstütze mit den Händen bewusst Deine Argumente oder halte einen Stift wie ein Fernsehmoderator, wenn Du Sorge hast, dass Deine Hände unkontrolliert sind. Stift halten, nicht damit spielen! Suche und halte Blickkontakt mit Deinen Gesprächspartnern: nicht anstarren! Atme ruhig und gleichmässig, trinke einen Schluck Wasser, bevor Du beginnst langsam und artikuliert zu sprechen. Vergiss nicht freundlich zu schauen!

Geheimnis 4: gehe nicht alleine mit dem Kopf durch die Wand

Wenn Du Dich durchsetzen willst, heisst das nicht mit dem Kopf durch die Wand oder Konfrontation um jeden Preis. Also höre auf jeden Fall aktiv zu, wenn andere sprechen und vor allem, was sie sagen. Es könnten Argumente dabei sein, die Deine ergänzen. Zeige Verständnis für andere Meinungen, Standpunkte oder Interessen. Stelle Fragen, um andere Personen einzubeziehen. Oder stelle Rückfragen, wenn Dir etwas unklar ist. Wenn Du Offenheit zeigst, erhöht sich die Chance, dass Du auch von Deinem Gegenüber Offenheit bekommst.

Geheimnis 5: beharre auf Deinem eigenen Standpunkt

Das wird der härteste Part für Dich, wird aber in manchen Situationen unausweichlich sein auf Deinem Weg zu mehr Durchsetzungsvermögen. Wenn Du der Meinung bist, Dein Gegenüber liegt grundlegend falsch, es widerspricht Deiner inneren Überzeugung oder Du kannst das nicht vertreten, dann sage Nein und beharre auf Deinem Standpunkt. Sich durchsetzen heisst auch eine Bitte, einen Gefallen oder eine Aufgabe abzulehnen oder eine andere Meinung zu vertreten als andere. Dadurch setzt Du Deine Grenzen und zeigst Deinen Kolleg:innen, Team oder Vorgesetzten, dass Du nicht zu allem Ja und Amen sagst. Wenn Deine Arbeitskolleg:innen sich das von Dir nicht gewöhnt sind, werden sie am Anfang etwas erschrecken, Dich dann aber für Deinen Mut und Deine Durchsetzungskraft bewundern.

Üben, üben, üben

Gerade, wenn Du Dich für nicht so durchsetzungsstark hältst, heisst es für Dich üben, üben, üben. Ich war früher auch eine Person, die eher für andere da war, Zusatzaufgaben übernommen hat oder sich freiwillig gemeldet hat, wenn es um Mehreinsatz oder Überstunden ging. Mit der Zeit ging es mir aber auf die Substanz und die „faulen“ Kolleg:innen gingen mir auf die Nerven. Heute überlege ich mir gut, für wen ich gerne da bin, für was/wen ich mich ehrenamtlich engagiere und wie viel Zeit ich für Aufgaben anderer Leute investiere.

Ich bin aufmerksamer geworden, wer in meinem Umfeld nur nimmt oder auch gibt. Mich beruflich durchsetzen musste ich sehr früh lernen, um mich gegen ältere und erfahrenere Kolleg:innen behaupten zu können. Heute bin ich stolz auf mich, dass ich mutig genug bin und mich durchsetzen kann, wenn es notwendig ist.

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Die Autorin:
Hallo, ich bin Martina, diplomierte Coach und Betriebliche Mentorin FA. Ich zeige ambitionierten Nachwuchskadern und erfahrenen Führungspersönlichkeiten, wie sie souveräner, charismatischer und erfolgreicher ihre Führungsrolle ausüben können. Ich lebe in Frauenfeld (Schweiz), liebe meinen Balkongarten mit Blumen und Gemüse und schwöre auf Poweryoga für meine geistige und körperliche Fitness.


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