Das Geheimnis um die natürliche Autorität

Veröffentlicht von Martina Miciecki am

Was bedeutet natürliche Autorität? Führen ohne seine Mitarbeitenden anzuschreien? Und wie kann man natürliche Autorität gegenüber seinen Mitarbeitenden ausstrahlen? Ungeschminkt und mit legerem Outfit im Online-Meeting erscheinen? Kann man natürliche Autorität lernen oder entwickeln? Sie sehen: Fragen über Fragen. Das Geheimnis der natürlichen Autorität lüfte ich in meinem heutigen Artikel.

Natürliche_Autorität_lernen_entwickeln_und_ausstrahlen

Natürliche Autorität – wenige haben sie, alle wollen sie

Sind Sie schon einmal einer (Führungs-)Person begegnet, die das gewisse Etwas hatte? Diese Person wurde respektiert, deren Ideen wurden mit Begeisterung umgesetzt und alle arbeiteten gerne mit ihr zusammen. Diese Person wurde automatisch als Leader akzeptiert und nicht hinterfragt, weil es für alle klar war. Diese Person überzeugte fachlich und menschlich. So schwer kann das ja nicht sein. Oder doch?

Autorität wird oft mit Macht verwechselt

Wenn wir unser Leben reflektieren, begegneten wir schon sehr früh ganz vielen Autoritätspersonen, zu denen wir als kleiner Mensch aufblickten. Da waren zuerst einmal die Eltern oder Grosseltern, dann Lehrer, Ärzte, Amtspersonen wie Polizisten, Sporttrainer, später kamen Lehrmeister, Professoren, die erste Chefin oder der erste Chef dazu. Also alles unterschiedliche Führungspersonen, die einem sagten oder zeigten, was richtig und was falsch ist.

Welchen Unterschied machen diese Autoritäten aus? Die einen redeten uns gut zu, andere schimpften uns, dritte hoben warnend den Finger. Die einen waren ganz ruhig, andere laut und aufbrausend. Die einen respektierten wir, weil sie älter oder grösser waren. Andere bewunderten wir, weil sie so mitreissend und überzeugend waren. Vor Dritten hatten wir Angst, weil sie streng oder laut waren.

Viele Personen üben aufgrund ihrer Position Autorität aus, aber nicht, weil sie respektiert werden. Die Autorität haben diese nur aufgrund ihrer Stellung und ihrer Macht über andere. Ein Beispiel wäre hier ein Diktator, der mit Unterdrückung und Sanktionen regiert. Aber auch in Firmen trifft man oftmals Chefs oder Chefinnen an, die aufgrund ihrer Position Autorität ausüben und hart bestrafen oder Mitarbeitende entlassen, die sich widersetzen. Nur um ihre Macht aufrecht zu erhalten und andere davor abzuschrecken, ihre Kollegen nachzuahmen.

Natürliche Autorität lernen, entwickeln und ausstrahlen

Es geht also darum, sich Respekt zu verschaffen, ohne „bossy“ aufzutreten, also ohne den Chef (oder die Chefin) raushängen zu lassen. Sich durchsetzen, ohne auf den Tisch zu hauen und laut zu werden.

Müssen Sie nun darauf hoffen, dass Ihnen das in die Wiege gelegt wurde oder Sie immer positive Autoritätspersonen um sich hatten? Ja, aber…

Es ist tatsächlich so, dass ein gesundes Selbstvertrauen und Zufriedenheit mit sich selbst Teil Ihrer Entwicklung sind. Je positiver Sie aufgewachsen sind oder je reflektierter Sie (geworden) sind, desto grössere Chancen haben Sie, natürliche Autorität zu erlangen.

Menschen im Einklang mit sich selbst strahlen von innen heraus. Oftmals spricht man hier auch von Charisma oder Aura. Sagen Menschen etwas anderes, als es ihrer Überzeugung entspricht, zeigt sich das gegen aussen. Das Bild ist nicht stimmig und wir spüren das.

Im Laufe der Jahre können wir aber auch von guten Führungspersonen lernen, uns sinnvolle Wege abschauen und unser erlerntes Führungswissen mit eigenen Erfahrungen bereichern. Das Umfeld hilft also mit, aber Ihr bewusster Entscheid für positive Führung beeinflusst wesentlich Ihr Denken, Fühlen und Handeln.

Natürliche Autorität als Führungskraft

Was können Sie nun konkret tun, um einer natürlichen Autorität näher zu kommen? Ich habe Ihnen nachfolgend eine Liste zusammengestellt, mit der ich in meinen vielen Jahren als Führungsperson sehr gute Erfahrungen machen durfte:

  1. Begegnung auf Augenhöhe: treten Sie Ihren Mitarbeitenden gegenüber wertschätzend und respektvoll auf. Der Mensch ist Ihnen wichtig, nicht die Position. Ich habe mich gerne mit Mitarbeitenden unterhalten und mich auch nach deren Familien erkundigt. Das schafft Nähe.
  2. Authentizität: Leben Sie vor, was Sie von Ihren Mitarbeitenden erwarten. Vergessen Sie nicht, dass Sie immer Vorbild sind und Ihre Mitarbeitenden Gutes wie Schlechtes abschauen.
  3. Fachkompetenz: Bilden Sie sich kontinuierlich weiter oder lernen Sie von Ihren Mitarbeitenden. Ich habe immer gerne mit Auszubildenden gearbeitet. So habe ich erfahren, was sie gelernt haben und was sie bewegt hat.
  4. Menschlichkeit: Tun Sie nicht so, als seien Sie Hulk oder Superwoman: Sie können alles, wissen alles (besser) und zeigen keine Schwächen. Geben Sie ruhig mal zu, dass Sie etwas nicht wissen oder Ihr Mitarbeitender das besser kann als Sie. Das macht Sie menschlich.
  5. Ehrlichkeit: Vertuschen Sie Ihre Fehler nicht auf Kosten anderer. Leben Sie eine Fehlerkultur, in der auch Chefs Fehler machen dürfen – und daraus lernen. Macht eine Mitarbeitende einen Fehler, erzählen Sie eine kleine Panne aus Ihrem beruflichen Leben und wie Sie daraus gelernt und wie Sie das später weitergebracht hatte. So haben Mitarbeitende keine Angst vor Fehlern und suchen selbst nach Lösungen. Kleine Anekdoten lockern den stressigen Tag auf.
  6. Geradlinigkeit: Geben Sie Rahmenbedingungen und Leitlinien vor, an denen sich Mitarbeitende orientieren können. Definieren Sie Grenzen und halten Sie diese -auch für sich selbst- ein. Mitarbeitende müssen wissen, woran Sie bei Ihnen sind. Ich habe bei meinen Mitarbeitenden gerne von einer mehrspurigen Autobahn gesprochen. Wir fahren alle in die gleiche Richtung (Ziel). Sie dürfen mal rechts trödeln oder links überholen, aber nicht die Leitplanken tuschieren -und damit andere Personen oder Regeln verletzen.
    Eine Hü-Hott-Politik oder Entscheide nach Tagesform (heute Ja, morgen Nein) verunsichern Mitarbeitende und schaffen eine Ungleichbehandlung und Neid.
  7. Humor: Ihr Humor sollte nicht nur als Sarkasmus oder Galgenhumor zum Vorschein treten. Sorgen Sie für gute Stimmung, ohne den Clown zu spielen. Humor nimmt Spannung und baut Stress ab.
  8. Kongruenz: Reflektieren Sie immer wieder für sich, ob das, was Sie tun, sich mit dem deckt, was Sie wollen. Gleichen Sie das Wie, Was und Warum ab. Decken sich Ihre Vision/Zweck (das Warum) mit Ihren Aufgaben/Zielen (das Was) und Ihren Methoden/Ihrem Führungsstil (das Wie)?

Fazit

Natürliche Autorität ist in gewissem Rahmen erlernbar. Vieles hat mit Ihrer Einstellung zu sich, mit Ihren Werten und Überzeugungen zu tun, die Ihr Handeln lenken. Wer hat Sie geprägt, welche Vorbilder hatten Sie und was haben Sie übernommen und warum? Was bringt Sie aus der Balance, stresst Sie und wie zeigt sich das? Wie gehen Sie mit Kritik um und wo sind Ihre persönlichen Grenzen?

Wenn Sie sich selbst besser verstehen, können Sie umso klarer gegenüber anderen auftreten.

Wie steht es um Ihre Autorität?

Haben Sie noch weitere Punkte, die aus Ihrer Sicht zu natürlicher Autorität gehören? Hinterlassen Sie mir gerne einen Kommentar!

Entdeckungsreise Führungskraft

Wissen Sie nicht so recht, welcher Führungsstil zu Ihnen passt? Sind Sie unsicher, ob Sie als Führungskraft überzeugen können? Möchten Sie Ihr Team für sich gewinnen und miteinander nicht gegeneinander arbeiten? Dann kommen Sie in meine Führungskräfte Akademie online und gehen Sie auf Entdeckungsreise – mit mir als Guide an Ihrer Seite.

Sie möchten regelmässig Impulse erhalten zu den Themen Leadership, Teamführung und Worklife?

Dann tragen Sie sich gerne in meinen Impulsletter ein.

Die Autorin:
Martina Miciecki ist staatl. geprüfte Betriebswirtin, Betriebliche Mentorin FA und diplomierte Coach. Sie zeigt ambitionierten Nachwuchskadern und erfahrenen Führungspersönlichkeiten, wie sie motivierter und gelassener ihre Führungsrolle ausüben können. Sie lebt in Frauenfeld (Schweiz), liebt ihren Balkongarten mit Blumen und Gemüse und schwört auf Poweryoga für ihre geistige und körperliche Fitness.


Kategorien: Leadership

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Avatar-Platzhalter

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.