Führungskompetenz: 9 Fehler, die Sie 2021 vermeiden sollten

Veröffentlicht von Martina Miciecki am


Haben Sie 2020 versucht, ein guter Chef oder eine gute Teamleiterin zu sein – waren aber trotzdem mit Unzufriedenheit, Konflikten und Fluktuation in Ihrem Team konfrontiert? Keine Sorge: damit sind Sie nicht allein! Was Sie 2021 tun können, damit es ein besseres Führungsjahr für Sie wird, verrate ich Ihnen in diesem Blogpost.

Weiter wie bisher oder etwas verändern?

Wenn Sie davon überzeugt sind, dass Sie im 2020 alles richtig gemacht haben und es Ihre Mitarbeitenden waren, die Ihnen den ganzen Stress verursacht haben, dann empfehle ich Ihnen Folgendes: gönnen Sie sich jetzt ein gutes Glas Wein, klopfen Sie sich auf die eigene Schulter und lehnen Sie sich entspannt zurück. Sie haben es sich redlich verdient!

ABER

Und jetzt kommt mein „Aber“: wundern Sie sich nicht, wenn sich im 2021 für Sie nichts ändern wird, Ihre Mitarbeitenden weiterhin unzufrieden sind und sich die Türklinke in die Hand geben.

Zu einer guten Unternehmenskultur oder einer guten Teamarbeit gehören nicht nur die Häuptlinge (sprich Chefinnen und Teamleiter). Und was glauben Sie würden mir an dieser Stelle Ihre mitarbeitenden „Indianer“ über Sie erzählen? Wären diese genauso stolz auf Sie, wie Sie gerade auf sich selbst? Diese würden vielleicht nicht gerade einen Freudentanz ums Feuer machen. Alles nur bildlich gesprochen, versteht sich.

Bescheidenheit und Selbstreflexion können nicht schaden

Für den Fall, dass Sie der Meinung sind, Sie könnten im 2021 Ihre Führungsarbeit weiterentwickeln, beglückwünsche ich Sie ganz herzlich! Ein grossartiger erster Schritt ist die Selbsterkenntnis, dass nicht nur Ihre Mitarbeitenden, sondern auch Sie noch Luft nach oben haben und dazulernen können.

Nachfolgend habe ich Ihnen die häufigsten Führungsfehler zusammengestellt, von denen auch mir der eine oder andere in meiner aktiven Zeit als Kaderfrau unterlaufen ist.

9 Führungsfehler, die Sie 2021 vermeiden sollten

Fehler Nummer 1: Nicht zuhören

Es wäre so einfach und wird völlig unterschätzt: Chefs hören sich oftmals selbst am liebsten reden.

Wenn Sie sich die Zeit nehmen und aktiv zuhören würden, was Ihnen Ihre Mitarbeitende oder Ihr Mitarbeitender zu sagen hat, könnten Sie Fehler, Probleme oder Unzufriedenheit sehr früh erkennen und beheben.

In meinem Blogpost zum Thema Mitarbeitermotivation finden Sie Fragen, die Ihnen helfen können, einem Problem auf dem Grund zu gehen und Demotivation vorzubeugen.

Es geht darum, dass Sie Ihren Mitarbeitenden gegenüber Respekt zeigen, indem Sie sich einen Moment voll und ganz auf ihn oder sie fokussieren und hören, was sie oder er zu sagen hat.

Zudem erhalten Sie vielleicht wertvolle Informationen, die Ihnen bei Ihrer nächsten Entscheidung helfen können.

Fehler Nummer 2: Nicht vertrauen

Die Mitarbeitenden dürfen keine Entscheidung selbst treffen. Jeder Brief oder jede E-Mail muss zur Kontrolle vorgelegt werden. Am Besten machen Sie die wichtigen Sachen gleich selbst, damit keine Fehler passieren.

Sie schaffen sich damit nicht nur richtig viel Mehrarbeit, sondern ersticken Eigenverantwortung und Selbstständigkeit Ihrer Mitarbeitenden im Keim.

Lernen Sie die Stärken und Fähigkeiten Ihrer Mitarbeitenden kennen und schätzen. Dann delegieren Sie die Aufgaben passend zu den Bereichen, Funktionen und Stärken. Sie können auch Aufgaben mit den Worten delegieren, dass die oder der Mitarbeitende das viel besser kann als Sie selbst. Hier finden Sie die passenden Fragen, um genau diese Informationen von Ihren Mitarbeitenden zu erhalten.

Sie motivieren und ermutigen Ihre Mitarbeitenden nicht nur, sondern schaffen sich dadurch auch Zeit für andere Dinge.

Fehler Nummer 3: keine Fehler tolerieren

„Wo gehobelt wird, fallen Späne“. Heisst so viel wie, wo gearbeitet wird, können Fehler passieren. Kein Mensch ist vollkommen, somit sollten Sie in Ihrem Unternehmen oder Ihrem Team eine Kultur der Fehlertoleranz pflegen.

Fehler können passieren, aber es sollte daraus ein Lösungs- oder Lernprozess angestossen werden. Das gilt auch für Sie als Vorgesetzten. Wenn Ihnen ein Fehler passiert, geben Sie es zu und wälzen Sie es keinesfalls auf andere ab oder suchen Ausflüchte.

Wenn Sie als Teamleiter oder Chefin den Kopf für andere hinhalten müssen – was nicht nur einmal passieren wird -, dann tun Sie das mit einem breiten Kreuz und schützen Sie Ihre Teammitglieder vor anderen.

Hinterher können Sie immer noch im Team sortieren, warum und wie es zu diesem Fehler kommen konnte und was zu tun ist, diesen in Zukunft zu vermeiden.

Umgekehrt stellen Sie Ihr Team bei Lob in den Vordergrund und überlassen diesen die Lorbeeren.

Fehler Nummer 4: keine klaren Aussagen treffen

Mitarbeitende benötigen Halt und Orientierung. Sie sollten daher transparent kommunizieren, was die Ziele der Firma, Abteilung oder des Teams sind.

Sie sollten aufzeigen können, wer für welche Aufgabe zugeteilt ist oder die Verantwortung trägt. Es sollte klar sein, wer wem über- oder unterstellt ist und wie die Kommunikation laufen sollte.

Stehen Sie zu Ihrem Wort! Wenn Sie etwas in Aussicht stellen oder zusagen, halten Sie es auch ein. Vermeiden Sie schwammige Formulierungen und hoffen Sie keinesfalls darauf, dass ein Mitarbeitender (hoffentlich) vergisst, was Sie gesagt haben, wenn Sie nur lange genug abwarten.

Holen Sie sich die kostenlose Liste mit 49 Formulierungen, die Sie als Führungskraft vermeiden sollten

Fehler Nummer 5: Sich vor Entscheidungen drücken

Für Sie als Führungspersönlichkeit stehen täglich Entscheidungen an, die Sie treffen müssen. Oftmals müssen Sie sofort entscheiden und haben keine Möglichkeit, erst die Sachlage eingehend zu prüfen.

Es können Ihnen daher auch Fehlentscheidungen unterlaufen, die Sie später korrigieren müssen. Aber besser mal falsch entscheiden, als überhaupt nicht entscheiden.

Über das Thema richtige Entscheidungen treffen, habe ich schon einen Blogpost geschrieben und 5 Entscheidungshilfen gegeben, die Ihnen Klarheit verschaffen.

Fehler Nummer 6: Nicht wertschätzen

Wenn Sie die Arbeitsleistung, den Einsatz und die Überstunden Ihrer Mitarbeitenden als selbstverständlich und Teil des Vertrages als abgegolten sehen, werden Sie sich schnell unbeliebt machen.

Fehlende Anerkennung und mangelnde Wertschätzung wird bei Umfragen unter den Mitarbeitenden mit am häufigsten genannt, dass sie die emotionale Bindung an das Unternehmen verlieren und innerlich kündigen.

Dabei ist es gar nicht schwer! Hier finden Sie 5 Wege, um Ihren Mitarbeitenden Wertschätzung zu zeigen.

Fehler Nummer 7: Konflikte ignorieren

Unstimmigkeiten können in Teams immer mal auftreten. Wichtig für Sie ist es, hinzuhören (und da ist wieder Punkt 1 zuhören gefragt) und herauszufinden, ob es eine Bagatelle ist oder nicht.

Schnell können aus Missverständnissen Streitigkeiten werden. Aus Streitigkeiten können Konflikte entstehen, in den nicht mehr nur die ursprünglich Beteiligten, sondern auch andere Personen oder Teams mit reingezogen wurden.

Viele Führungskräfte machen den Fehler, dass sie sagen: „Ihr seid doch erwachsene Leute. Also klärt das unter euch.“ Oder sie ignorieren den Konflikt in der Hoffnung, dass dieser sich von alleine löst.

Lösen Sie Konflikte schnell. Warum Konflikte entstehen und wie Sie diese nachhaltig lösen können, erkläre ich in meinem Blogpost Konflikte im Team lösen.

Fehler Nummer 8: Nicht fordern und fördern

Wenn Sie das Maximum aus Ihren Mitarbeitenden herauskitzeln wollen, sollten Sie ihnen Aufgaben übertragen, die ihren Stärken und Fähigkeiten entspricht. Siehe auch Punkt 2.

Sie sollten die Aufgabe so wählen, dass sie die Mitarbeitende oder den Mitarbeitenden herausfordert, aber nicht überfordert. Geben Sie Feedback zu den Fortschritten und zeigen Sie auf, welchen Beitrag diese eine Aufgabe für die Abteilung oder das ganze Unternehmen leistet.

Tauschen Sie sich zudem kontinuierlich mit Ihren Mitarbeitenden aus, welche Unterstützung oder Hilfsmittel benötigt werden. Oder in welche Richtung sich die oder der Mitarbeitende weiterentwickeln möchte und welche Schritte, Schulung oder Weiterbildung dafür notwendig wäre oder in Frage käme.

Fehler Nummer 9: Den Chef raushängen lassen

Wenn es viel zu tun gibt, müssen Sie dringend weg.

Zum Meeting kommen Sie zu spät und alle müssen warten, weil Sie noch ein dringendes Telefonat machen mussten.

Weil Sie so viel zu tun haben, nehmen Sie das Telefon ab, wenn es läutet (lautlos stellen gilt ja nur für Ihre Mitarbeitenden!) während ein Mitarbeitender eine Präsentation zeigt.

Alle Mitarbeitenden müssen ganz hinten ihr Auto abstellen, Sie haben den Platz neben dem Haupteingang mit Schild reserviert.

Sie verwenden Sätze, wie: „Ich bin der Chef. Wir machen es daher so, wie ich es sage!“

Die Türe zu Ihrem Büro ist meistens geschlossen und Ihre Mitarbeitenden müssen allen Mut zusammennehmen und bei Ihnen „um Audienz fragen“, wenn sie etwas besprechen wollen.

Sie verstehen, was ich meine? Klar haben Sie als Chef oder Chefin vielleicht das eine oder andere Privileg, weil Sie auch mehr Verantwortung tragen. Aber bleiben Sie fair, menschlich und nahbar. Sonst werden Sie es nicht schaffen, eine Team- oder Unternehmenskultur zu schaffen, in der sich Mitarbeitende wohlfühlen und sich gerne engagieren.

Fazit:

Niemand ist perfekt und das ist gut so! Wenn Sie bereits den einen oder anderen der oben genannten Fehler gemacht haben, verzweifeln Sie nicht, sondern lernen Sie daraus.

Nehmen Sie sich jeden Abend 5 Minuten Zeit und reflektieren Sie Ihren Tag – am Besten schriftlich:

  • Was lief gut?
  • Was hätte besser laufen können?
  • Wie könnten Sie Ihre Mitarbeitenden stärker unterstützen?
  • Wem könnten Sie delegieren und mehr Verantwortung übertragen?
  • Hatten Sie heute Kontakt mit einem oder einer Mitarbeitenden?
  • Was hat er oder sie erzählt?
  • Waren Sie wertschätzend und nahbar?

Weitere Fragen zur Selbstreflexion finden Sie auch in diesem Artikel.

Alternativ können Sie mit einem Coach zusammenarbeiten und Ihre Führungsarbeit regelmässig reflektieren und sich dadurch neue Impulse holen.

Sie möchten regelmässig Impulse erhalten zu den Themen Leadership, Teamführung und Worklife?

Dann tragen Sie sich gerne in meinen Impulsletter ein.

Die Autorin:
Martina Miciecki ist staatl. geprüfte Betriebswirtin, Betriebliche Mentorin FA und diplomierte Coach. Sie zeigt ambitionierten Nachwuchskadern und erfahrenen Führungspersönlichkeiten, wie sie motivierter und gelassener ihre Führungsrolle ausüben können. Sie lebt in Frauenfeld (Schweiz), liebt ihren Balkongarten mit Blumen und Gemüse und schwört auf Poweryoga für ihre geistige und körperliche Fitness.


Kategorien: LeadershipNew Work

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